Brandgefährliches Finanzmikado: Wie sich Russlands SWIFT-Ausschluss rächen könnte

Autorius: Sven Reuth Šaltinis: https://www.compact-online.de/... 2022-03-01 15:13:00, skaitė 436, komentavo 0

Brandgefährliches Finanzmikado: Wie sich Russlands SWIFT-Ausschluss rächen könnte

Der Ausschluss Russlands aus dem internationalen Bankentransaktionssystem SWIFT sei eine „finanzpolitische Nuklearwaffe“, hieß es in den vergangenen Wochen immer wieder. Diese Einschätzung könnte sich noch als trügerisch erweisen. In unserem Spezial Finanzmächte – Kriminalgeschichte des Großen Geldes präsentieren wir Ihnen die großen Verschwörungen der Hochfinanz: Von Fugger über Rothschild und Rockefeller bis zu Goldman Sachs und BlackRock. Wegen des riesigen Interesses nur noch als PDF erhältlich – hier herunterladen

SWIFT wurde zuletzt von zahlreichen Politikern der Regierung und Opposition als eine Art Wundermittel dargestellt, mit dem man Wladimir Putin fast wie von Zauberhand stoppen könne. Am vergangenen Freitag nun einigten sich die westlichen Mächte tatsächlich auf einen SWIFT-Ausschluss Russlands.

Was ist SWIFT?

Was aber hat das zu bedeuten und was ist SWIFT überhaupt? SWIFT (die Abkürzung steht für Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication) ist eine seit dem Jahr 1973 bestehende Genossenschaft der Banken, die in der belgischen Kleinstadt La Hulpe ihren Hauptsitz hat und EU-Recht unterliegt. SWIFT wickelt grenzüberschreitende Finanztransaktionen ab und ist in den vergangenen Jahrzehnten mit der Vervielfachung der globalen Transaktionen auch zu einer immer bedeutenderen Institution geworden. Über SWIFT konnten bislang auch die Unternehmen, die in Russland tätig waren – und dies waren beispielsweise auch praktisch alle größeren deutschen Unternehmen – weiter ihre notwendigen finanziellen Transaktionen abwickeln.

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Das Moskauer Finanzviertel mit dem Moskau International Business Center. Es ist fraglich, ob es mit dem SWIFT-Ausschluss Russlands gelingt, die Finanzströme des Landes auszutrocknen. Foto: Khoroshunova Olga I Shutterstock.com.

SWIFT gehört zu den Institutionen, auf die die USA formal keinen direkten Zugriff haben. Das sagt für sich genommen aber nur relativ wenig aus, da es natürlich diverse Möglichkeiten gibt, auf diese Genossenschaft mit beschränkter Haftung Druck auszuüben. Schon vor vier Jahren drohten beispielsweise Vertreter der US-Regierung damit, gegen SWIFT-Mitarbeiter Einreiseverbote zu verhängen oder dem nordamerikanischen SWIFT-Rechenzentrum in Culpeper im US-Bundesstaat Virginia den Strom abzudrehen, falls der Iran nicht aus dem SWIFT-System ausgeschlossen wird.

Dedollarisierung der Weltwirtschaft voraus?

Schon damals stellte Wladimir Putin im Rahmen einer Rede vor Managern der Energieindustrie fest, dass die USA gerade dabei wären, an dem Ast zu sägen, auf dem sie selbst sitzen. Tatsächlich könnten die westlichen Mächte mit ihrer Sanktionspolitik am Ende einer Dedollarisierung der Weltwirtschaft den Weg bereiten. Schon 2018 hatte Russland als Antwort auf die US-amerikanische Sanktionspolitik innerhalb eines Jahres seine Bestände an US-Staatsanleihen von einem knapp dreistelligen Milliardenbetrag bis fast auf Null reduziert. Moskau hat darüber hinaus aber auch ein eigenes Zahlungsverkehrssystem für Geschäfte geschaffen, die nicht in Dollar abgewickelt werden, und das auch für ausländische Unternehmen geöffnet ist.

Die Volksrepublik China wiederum fordert gar die Dominanz der USA auf den Energiemärkten heraus und hat schon vor Jahren in Schanghai einen Handelsplatz für in Yuan gehandelte Öl-Termingeschäfte eröffnet.

„Die Erfahrungen der Iraner nutzen“

Der SWIFT-Ausschluss Russlands ist aus Sicht der westlichen Mächte also ein zweischneidiges Schwert, der die US-orientierte globale Finanzarchitektur am Ende in ihren Grundfesten erschüttern und verschieben könnte. Auch der Iran hat seinen SWIFT-Ausschluss am Ende überlebt. Natürlich bereitete dieser Schritt der Regierung in Teheran Probleme, am Ende aber wurden wichtige Geschäfte über Finanzinstitute in Dubai, Indien oder der Türkei abgewickelt. Auch die amtliche iranische Nachrichtenagentur IRNA stellte vor kurzem in einem Artikel fest, dass Russland die Erfahrungen der Iraner nutzen könne, um Sanktionen zu umgehen. Gut möglich also, dass sich die vermeintliche „finanzielle Nuklearwaffe“ SWIFT-Ausschluss am Ende als weit weniger wirksam erweist, als dies von westlichen Politikern angenommen wird.

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