Dokumente geleakt: Die Akte „Aule“ – Leipziger Rathaus versinkt im Antifa-Sumpf

Autorius: Sascha Neuschäfer Šaltinis: https://www.anonymousnews.org/... 2021-09-17 14:30:00, skaitė 141, komentavo 0

Dokumente geleakt: Die Akte „Aule“ – Leipziger Rathaus versinkt im Antifa-Sumpf

Wir berichteten Ende April über die Razzia bei Henry A. Jetzt liegen exklusive Informationen vor, die zeigen: Der Rathaus-Mitarbeiter steckt offenbar tiefer in der Antifa-Szene, als bekannt war. Seine Position soll er genutzt haben, um militanten Genossen Vorteile zu verschaffen.

von Sascha Neuschäfer

Ende April durchsuchte die Soko LinX (Linksextremismus) des sächsischen LKA nach einem politisch motivierten Überfall auf Fußballfans mehrere Wohnungen in der Leipziger Antifa-Hochburg Connewitz. Wir berichteten damals und fanden heraus: Einer der Verdächtigen arbeitet im Rathaus! Dort verdient der mutmaßliche Linksextremist Henry A., genannt „Aule“, auf Kosten des Steuerzahlers über 4.000 Euro brutto – und zwar unbefristet.

Besonders brisant: Als Sachbearbeiter für Bauordnungsrecht hat Henry A. Zugriff auf die personenbezogenen Daten von Antragstellern und Grundstückseigentümern – auch solche, die möglicherweise nicht in sein linkes Weltbild passen, zum Beispiel Polizisten, Immobilienunternehmer oder AfD-Wähler.


Der Linksextremist und städtische Mitarbeiter Henry A. auf einem Observationsbild des LKA.

Uns liegt ein Polizeibericht des Operativen Abwehrzentrums (heute: Polizeiliches Terror- und Extremismus-Abwehrzentrum) aus dem Jahr 2014 vor. Darin heißt es über den 33-Jährigen:

„Der A. [Name von der Redaktion gekürzt] nimmt an Aktionen teil und scheut offenbar nicht davor zurück, für seine Ziele auch Gewalt anzuwenden. (…) Er verfügt über Kontakte zur Politik, Polizei, Presse, Security-Unternehmen, (…) Betäubungsmittelkonsumenten und sonstigen Akteuren aus der gewaltbereiten Linken- und Fußballszene.“ Und weiter: „Der A. ist bereit, anderen Leuten aufgrund seiner Tätigkeit bei der Stadt einen Vorteil zu verschaffen und mithin sein Netzwerk zu festigen (…).“

Antifa-Seilschaften

Als konkretes Beispiel schildert der Bericht einen Kontakt zur Linken-Landtagsabgeordneten Juliane Nagel, die als Fürsprecherin der Antifa-Szene in der Messestadt auftritt. So heißt es über ein abgehörtes Telefongespräch:

„Juliane Nagel teilte dem A. einen Sachverhalt mit, dabei ging es um ein Haus, das wohl von Bekannten der Nagel bewohnt wird. Es stand im Raum eine Nutzungsuntersagung auszusprechen. Da der A. im zuständigen Amt arbeitet, sicherte er zu, den entsprechenden Verwaltungsakt hinauszuzögern. Die Nagel fand den Vorschlag gut. (…) Einige Zeit später informierte der A. die Nagel darüber, dass die Nutzungsuntersagung nun doch verfügt werde. Er sicherte jedoch zu, Einfluss auf den Sachbearbeiter nehmen zu wollen, damit das angedrohte Zwangsgeld von 5.000 auf 2.000 Euro reduziert wird. (…) Im Gegenzug bot die Nagel an, sich noch einmal wegen der Abschaltung der Medien im AKS unterhalten zu wollen [gemeint könnten Überwachungskameras im Alfred-Kunze-Sportpark sein].“


Die Abgeordnete Juliane Nagel (Die Linke) und der Rathaus-Mitarbeiter tauschen Gefälligkeiten aus.

Gefälligkeiten tauschte Henry A. den angehörten Gesprächen zufolge auch mit Christoph Zenker, Kommunalpolitiker der SPD. So hörte die Polizei mit, wie er den Stadtrat aufforderte, ihm die Geschäftstermine des ehemaligen Leipziger Oberbürgermeisters und späteren Bundesverkehrsministers Wolfgang Tiefensee (ebenfalls SPD) durchzustechen. Zu diesem Zeitpunkt war Tiefensee Bundestagsabgeordneter, heute ist er Wirtschaftsminister sowie stellvertretender Ministerpräsident in Thüringen. Im Polizeibericht heißt es:

„Jener [Zenker] hat offenbar Zugriff auf den Kalender des Wolfgang Tiefensee und verriet dem A. auf Nachfrage, welche Termine der Tiefensee wann mit wem hat. Zenker gab Informationen an A. weiter, die er von Tiefensee erhielt, obwohl er zuvor aufgeklärt wurde, jene vertraulich zu behandeln. Im Gegenzug verlangte der Zenker ebenfalls Informationen, so fragte er den A. nach dem Eigentümer eines Grundstücks. Die gewünschte Information übersandte der A. per SMS.“ Die Männer intensivierten ihre mutmaßlich auf Geheimnisverrat basierende Zusammenarbeit auch weiterhin: „Beide versorgen sich hier mit Informationen, die für den jeweiligen Empfänger nicht bestimmt sind.“

Doch das Rathaus weigert sich bisher hartnäckig, Konsequenzen zu ziehen und den mutmaßlich linksextremen Mitarbeiter freizustellen. Stattdessen hat die Stadt jetzt Anzeige gegen Unbekannt erstattet: Angeblich sollen Polizisten des LKA Informationen über den 33-Jährigen an dessen Arbeitgeber und alternative Medien weitergegeben haben. Beweise dafür gibt es freilich keine, zumal Quellenschutz zu den Grundvoraussetzungen der Pressefreiheit zählt.

Fluchthilfe für linksextremen Gefährder?

Während die Stadt Leipzig die Polizisten und Journalisten derart infrage stellt, werden immer mehr schwerwiegende Vorwürfe gegen Henry A. laut: Der Rathaus-Mitarbeiter soll sogar direkten Kontakt zur sogenannten Hammerbande um Lina Engel gehabt haben! Die Antifa-Gruppe steht im Verdacht, kommandoartige Überfälle auf vermeintliche Rechte begangen und dabei auch Tote in Kauf genommen zu haben. Im Haftbefehl der Generalbundesanwaltschaft gegen die Hauptverdächtige ist vom „Grenzbereich zum Terrorismus“ die Rede. Erst vor Kurzem wurde gegen vier mutmaßliche Mitglieder Anklage wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung erhoben.


Blutspuren am Bahnhof Wurzen 2020: Auch diese Tat soll auf das Konto der Hammerbande gehen.

Es ist das nicht das erste Verfahren nach Paragraf 129 Strafgesetzbuch gegen mutmaßliche Linksextremisten in Leipzig: Bereits vor einigen Jahren die Ultra-Szene des Regionalligisten BSG Chemie im Fokus, die als Rekrutierungspool der Antifa gilt. Auch hier ging es vor allem um Angriffe auf vermeintliche Rechte, oftmals Fans des Traditionsvereins LOK Leipzig.

Damals mittendrin: Henry A., seinerzeit Geschäftsführer bei den sogenannten Chemikern. Aus diesem Zusammenhang stammt auch das oben zitierte Dokument. Die Ermittlungen wurden zwar 2016 nach mehreren Jahren eingestellt, es gab jedoch nie einen Freispruch. Jetzt scheint es, als könnte der städtische Angestellte womöglich die Verbindung zwischen den beiden Fallkomplexen sein.

Wie uns eine Quelle glaubwürdig versicherte, soll die Soko LinX bei der Razzia Ende April persönliche Gegenstände von Lina Engels Freund Johann Guntermann bei Henry A. gefunden haben. Sicherheitsbehörden haben Guntermann als linksextremen Gefährder eingestuft, dem jederzeit ein Anschlag zugetraut wird. In ganz Deutschland fallen nur sieben Linksextremisten in diese Kategorie – darunter auch ehemalige RAF-Terroristen.

Kurz vor der Verhaftung seiner Lebensgefährtin im November 2020 verschwand Guntermann in den Untergrund, seither wird nach ihm gefahndet. Die Polizei vermutet, dass sich der 28-Jährige ins Ausland abgesetzt hat. Die Frage lautet daher: Warum könnten persönliche Gegenstände des Gewaltstraftäters plötzlich bei Henry A. aufgetaucht sein? Fest steht: Sollte der Rathaus-Mitarbeiter Fluchthilfe geleistet haben, wäre das ein handfester Skandal für die Stadt Leipzig.

Gefälschte Ausweise

Der Verdacht erhärtet sich durch weitere Informationen, wonach Henry A. zu Johann Guntermann persönlich Kontakt hat. Angeblich, auch das wurde uns glaubwürdig versichert, soll er diesen sogar während seiner Haftzeit in einem einem sächsischen Gefängnis besucht haben – und zwar in Begleitung von Lina Engel. Wie es scheint, steht er der jungen Frau, die derzeit in Untersuchungshaft sitzt, besonders nahe.

So wurde Henry A. nur wenige Wochen nach Lina Engels Verhaftung Vater einer Tochter. Er gab ihr ausgerechnet den Vornamen Lina. Und es gibt noch eine Auffälligkeit: Lina Engel benutzte laut Polizei den gestohlenen Personalausweis einer anderen Frau. Die Welt berichtete, dass die Ermittler einem anderen mutmaßlichen Mitglied der Hammerbande sogar einen Personalausweisdrucker mit behördlicher Kennzeichnung gefunden hätten. Offenbar war auch Henry A. im Besitz falscher Personaldokumente. Ob diese aus dem Ausweisdrucker stammen können, ist bisher unklar.


Gezinkter Personalausweis: Wie die Hammerbande fälschte Henry A. offenbar Dokumente.

Uns liegt die Kopie einer Personalausweisfälschung vor, deren Foto Henry A. zeigt (siehe oben). Ausgeschrieben ist das Dokument allerdings auf einen offenbar frei erfundenen Herrn Repaczki. Der Nachname dürfte indes kein Zufall sein: Im November 2016 brachen Linksextremisten in die Wohnung des LOK-Fans Istvan Repaczki ein und verwüsteten diese mit Teerfarbe, auf Indymedia tauchte ein Bekenner-Video auf.


Einbruch bei LOK-Fan: Nutzte Henry A. den Namen des Opfers für eine Ausweisfälschung?

Ausgerechnet Henry A.s angeblicher Bekannter Johann Guntermann soll sich im Knast gegenüber Mitgefangenen mit dieser Tat gerühmt haben. Angesichts dieser Indizienkette fällt es schwer, noch an Zufälle zu glauben. Henry A. war auf Anfrage per Mail nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Crystal Meth und Fahrerflucht

Wie kommt jemand wie Henry A. an einen Rathaus-Job, der in der Regel den Zugriff auf sensible Daten beinhaltet? Die Recherchen zeichnen das Bild eines jungen Mannes, dessen Weg schon vor Jahren ins Abseits führte. Seit seiner Jugend ist Henry A. in der linken Szene aktiv. Jahrelang konsumierte er unter anderem Crystal Meth, Amphetamine und Kokain.

Nach dem Abitur machte er eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten und arbeitet seither für die Leipziger Stadtverwaltung. Seine alten Gewohnheiten legte er deshalb aber keinesfalls ab: Zwischen 2013 und 2016 hörte die Polizei sein Telefon ab, observierte Henry A. als Verdächtigen im Verfahren wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung.

In der Folge wurde Henry A. – zumindest stellt er das offenbar selbst so dar – glücksspielsüchtig. Er nahm Kredite auf, um seine Spielsucht zu finanzieren, verzockte das Geld anscheinend und beging daraufhin drei Suizidversuche. Zwischenzeitlich kam er daher in eine geschlossene Psychiatrie, wo man ihm eine narzisstische Persönlichkeitsstörung diagnostizierte.

Noch im April 2019 soll der städtische Mitarbeiter mit seinem Ford ohne Führerschein auf Metamphetamin und MDMA durch Leipzig gerast sein. Nur neun Tage später fuhr er laut einem Strafbefehl des Amtsgericht Weißenfels in Lützen (Sachsen-Anhalt) ein Kind an, beging Fahrerflucht. In beiden Fällen zahlte Henry A. eine Geldstrafe. Für ihn allerdings ist an seiner desolaten Situation offenbar irgendwie die Polizei Schuld, die ihn vermeintlich „unschuldig“ observierte. Diese wenig glaubwürdige Story durfte der städtische Angestellte kürzlich auch in der Leipziger Zeitung erzählen, die ihm jüngst einen Dreiteiler unter dem Titel „Unschuldig verfolgt“ widmete.


Ohne Führerschein und auf Droge? Henry A. hat ein Kind angefahren und Fahrerflucht begangen.

Jetzt hat Henry A. wegen seiner mutmaßlichen Beteiligung an einem Angriff auf LOK-Fans im Bahnhof Neukieritzsch im September 2019 wieder einmal Probleme mit dem Gesetz: Es geht um schweren Landfriedensbruch und gefährliche Körperverletzung. Bis zu 30 mit weißen Sturmhauben vermummte Täter sollen ihre Opfer in einer Regionalbahn mit illegaler Pyrotechnik attackiert haben. Darunter, so glaubt die Polizei, auch der 33-Jährige. Ende April durchsuchten Beamte des LKA deswegen fast 14 Stunden lang seine Wohnung in Leipzig-Connewitz. All das wird im Technischen Rathaus nicht unbemerkt geblieben sein.

Wie rot ist das Rathaus?

Doch für Henry A.s Vorgesetzte sind seine Aktivitäten offenbar gar kein Geheimnis. Im Juli 2019 soll er seiner Kollegin und heutigen Lebensgefährtin bei Whatapp geschrieben haben: „Das mit der Spielsucht wissen inzwischen schon ein paar Leute, aber die Gründe (also das mit dem Ermittlungsverfahren) wissen nur Frau Rödiger, Thomas D. [Name der Redaktion bekannt] und jetzt auch Du.“ Gemeint ist die Bauamtsleiterin Kathrin Rödiger.

Und wie reagiert die Stadt? Normalerweise müsste ein solcher Mitarbeiter bis zum Ende der Ermittlungen, die wegen schwerem Landfriedensbruch und gefährlicher Körperverletzung geführt werden, freigestellt; der Korruptionsverdacht gründlich aufgeklärt werden. In Zeiten, in denen Bürger für ein falsches Wort vor dem Scherbenhaufen ihrer beruflichen Existenz stehen, müsste ein linksextremer Gewalttäter unverzüglich aus dem städtischen Dienst entfernt werden, sollten sich die Vorwürfe vor Gericht bestätigen.

Anstelle der Bauamtsleiterin Kathrin Rödiger antwortete auf Nachfrage das Referat Kommunikation Leipzigs. Die zuständige Redakteurin Franziska Schneider gab sich bedeckt: „Wir bitten um Verständnis, dass wir uns weder zu Personalfragen noch zu laufenden Verfahren öffentlich äußern“, hieß es am Donnerstag aus dem Neuen Rathaus.